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Windstille und eine schlafende Welt


Terroristen der anti-christlichen Islamisten Boko Haram in Nigeria.

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Neulich fuhr ich am Ende des Schabbats zur Kotel (der Gebetsmauer des Tempels). Ich hatte Listen mit den Gebetsanliegen von Menschen dabei, die uns in der Vorwoche geschrieben hatten. Auf dem Rückweg zum Auto sagte ich zu meinem Sohn Shimon: „Hier herrscht absolute Stille. Die Blätter an den Bäumen sind völlig bewegungslos.“ Der sonst so starke Wind hat sich gelegt, war still und ein paar ruhige Momente lang war kein Laut zu hören.

Ich musste unwillkürlich an jene Stille denken, als ich an die große Nachricht im Oktober und ihren Folgen dachte: Ein Waffenstillstand war verkündet worden und 20 kaum noch lebende Geiseln wurden aus den unterirdischen Verliesen in Gaza befreit. Im Gegentausch wurden 2.058 arabische Gefangene aus israelischen Gefängnissen freigelassen, darunter Mörder, Vergewaltiger und Hunderte verurteilter Terroristen.

Als sich die israelischen Truppen am nächsten Tag von Gaza-Stadt zurückzogen, nahm die Hamas ihre übliche Rolle wieder ein. Ihre Schergen überfielen Viertel in ganz Gaza, trieben Dutzende rivalisierenden Clanchefs zusammen und exekutierten sie auf der Stelle. Andere wurden auf öffentlichen Plätzen zusammengetrieben, ihnen wurden die Augen verbunden und sie wurden ohne Gerichtsverfahren erschossen. Es war eine extreme Demonstration absoluter, unnachgiebiger Macht.

Die Welt schwieg. Die Nachrichtenmedien gaben keinen Ton von sich, um Einspruch zu erheben, die Führungspersönlichkeiten der Welt blieben stumm. Wo waren all die Demonstranten? Kümmerte sie das Leid der Palästinenser nicht? Wo waren all die Moralapostel, die Israel (auf Grundlage erfundener Beweise) so eifrig des Völkermordes bezichtigten? Hätte nicht jemand etwas tun – oder zumindest etwas sagen – sollen? Wenn man also nicht die Juden beschuldigen kann, spielt es anscheinend keine Rolle. Es ist eine alte Weisheit: „No Jews, no news“ – Keine Juden, keine Schlagzeilen.

Konservative Kommentatore stürzten sich auf die Ironie und erklärten sie zur Heuchelei größten Ausmaßes, haben sie beim Namen genannt und als die größte Scheinheiligkeit bezeichnet. Solange Juden mit Waffen schossen, war es eine Reaktion wert. Sobald sich die Israelis zurückgezogen hatten, kümmerte sich niemand mehr um die Palästinenser.

Aber Halt! Israel war letzten Monat nicht die einzige Geschichte auf unserem Planeten.

Berichte kamen aus dem Sudan: Laut der WHO [Weltgesundheitsorganisation] wurden „mehr als 450 Menschen am Dienstag [28.10.] im letzten noch funktionalen Krankenhaus in der sudanesischen Stadt El Fasher massakriert“ (New York Times, 29.10.25). Die Stadt war die letzte Zuflucht für 260.000 Menschen, die meisten von ihnen hungerten oder waren verletzt, als die RSF (Rapid Support Forces) „nach über 18 Monaten brutaler Belagerung ihren letzten Angriff [auf die Stadt] begannen.“ Die RSF „errichteten in den letzten Monaten einen Erdwall um die Stadt, um zu verhindern, dass Lebensmittel und medizinische Güter hineingelangen.“

Mitglieder der islamistischen Rapid Support Forces im Sudan

Über 12 Mio. Menschen sind im Sudan obdachlos und 400.000 starben in dem Krieg, der im April 2023 begann (New York Times, 04.11.25). Beachte auch: „In der vergangenen Woche wurden mehr Menschen getötet als in den ganzen 2 Jahren des Gaza-Krieges“ (Telegraph [London], 05.11.25).

Politiker äußerten sich mit Besorgnis, aber die vorherrschende Reaktion war ein kollektives Gähnen. Die pro-palästinensischen muslimischen Demonstranten waren zu Hause und schliefen.

Andere Berichte kamen aus Nigeria: Die muslimischen Terroristen der Boko Haram im Norden greifen seit 2009 die Christen im Süden an, mit Hunderttausenden von Toten (350.000 Kinder, die meisten unter 5 Jahren, Al Jazeera, 24.06.21), Massenverschleppungen, Vergewaltigungen und Zwangskonvertierungen, 12.000 Kirchen und 2.000 christliche Schulen wurden bisher niedergebrannt („Nigeria’s Genocide Against Christians ‚Spreading Like a Cancer‘“, Gatestone Institute, 29.10.25).

Überrascht es jemanden zu lesen, dass die Welt nichts unternommen hat? Es scheint, als wären fromme Phrasen alles, was die Weltführer aufbringen konnten. Die Demonstranten? In Abwesenheit.

Eine Ausnahme bildete der US-Präsident Donald Trump, der Nigeria am 1. November mit militärischen Maßnahmen drohte, falls es die „Ermordung von Christen“ nicht einstelle. Er handelte als Einziger gegen die Verfolgung von Christen („Trump threat of military action in Nigeria prompts confusion and alarm“, Washington Post, 02.11.25).

Früher oder später wird Israel wieder in einen Zwischenfall verwickelt sein. Die Welt wird aus ihrem Schlaf erwachen und Israel erneut züchtigen und verachten, egal wer die Schuld trägt. Es ist wirklich ein einsames Volk, das „nicht zu den Völkern gerechnet wird“ (4. Mo. 23, 9).

Für Israel ist Gottes Schutz, der in den 3.000 Jahre alten Prophezeiung Sacharjas enthalten ist, heute besonders aktuell: „Zur selben Zeit will ich Jerusalem machen zum Laststein für alle Völker. Alle, die ihn wegheben wollen, sollen sich daran wund reißen; alle Völker auf Erden werden sich gegen Jerusalem versammeln“ (12, 3).