Meine Frau und ich haben Theaterkarten geschenkt bekommen, daher gingen wir am 15. Mai zu einer Vorführung. Wir haben selten für so etwas Zeit. Es war eine Bühnenfassung von „Die Trapp-Familie” (Originaltitel: „The Sound of Music”, Rodgers und Hammerstein, 1959).
Das Publikum hatte die Mobiltelefone abgeschaltet, war aufmerksam und höflich. Mitten im ersten Akt, als die 7 Kinder der von Trapp Familie „Do-re-mi“ sangen, begannen Dutzende Handys im Zuschauerraum zu klingeln. Wir wurden uns bewusst, dass es ein Notfallalarm war. Hunderte rote Punkte auf Landkarten auf unseren Handybildschirmen zeigten bedrohte Ortschaften in ganz Israel.
Der Theaterdirektor kam auf die Bühne, unterbrach die Vorstellung und meldete eine 10-minütige Unterbrechung. Alle warteten ruhig auf ihren Sitzen. Es gab keine Alternative, da der Schutzraum nicht groß genug für tausend Leute war.
Die Vorführung wurde einige Minuten später unter donnerndem, kühnen Applaus fortgesetzt und die Kinder sangen unbeirrt und freudig weiter. Nach jedem Lied wiederholte sich die ungestüme Reaktion.
Dies spiegelt mehr als einen unbeugsamen Geist. Nicht einmal tägliche Raketen aus dem Jemen werden die Israelis davon abhalten, das Leben zu feiern. Weder Raketen, noch Massaker auf Musikfestivals, noch Brandstiftungen (jede Woche werden neue angezündet) halten sie davon ab, das Leben zu feiern.
Bösartige Feinde wollen uns zerstören, aber wir machen weiter, wie die Juden, die die Mauern Jerusalems, mit der Mörtelkelle in einer Hand und der Waffe zum Schutz gegen Angriffe in der anderen (Neh. 4, 10-12), wieder aufbauten.