{"id":1872,"date":"2017-12-21T20:20:56","date_gmt":"2017-12-21T18:20:56","guid":{"rendered":"http:\/\/lhashivah.org\/?p=1872"},"modified":"2020-06-03T11:43:32","modified_gmt":"2020-06-03T11:43:32","slug":"the-midrash-on-the-mount","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hashivah.org\/de\/the-midrash-on-the-mount\/","title":{"rendered":"Die Midrasch* auf dem Berg"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>\u2013 War Jesus <\/strong><\/em><strong>uneins mit<\/strong><em><strong> den Rabbinern?<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>Gabriel A. Goldberg, M.A.<\/strong><\/p>\n<p><span class=\"dropcap dropcap3\">Z<\/span>u oft wurde von christlichen Bibelauslegern die Bergpredigt als Lektion der \u00dcberlegenheit von Jesu Lehre \u00fcber die der Rabbiner angesehen, als Darstellung der Gesetze Christi \u00fcber denen des Mose. Oder frei heraus, als w\u00e4re das Christentum dem Judentum \u00fcberlegen.<\/p>\n<p>Die heutige Sicht ist differenzierter, doch die vorherrschende Meinung ist die, dass Jesus von der herk\u00f6mmlichen Weisheit seiner Zeit abwich. Er wich sogar von Prinzipien der Thora oder dem Gesetz ab, indem er Alternativen vorschlug.<\/p>\n<p>Das scheint einzuleuchten, wenn man bedenkt, dass Jesus 6 Mal gegens\u00e4tzliche Aussagen machte, die anfingen mit \u201eIhr habt geh\u00f6rt, dass gesagt ist\u201c und endeten mit, \u201eich aber sage euch.\u201c Zum Beispiel: \u201eIhr habt geh\u00f6rt, dass gesagt ist: \u201aAuge um Auge und Zahn um Zahn!\u2018 Ich aber sage euch: Widerstrebet nicht dem \u00dcbel, sondern wenn dich jemand auf deine rechte Backe schl\u00e4gt, so biete ihm auch die andere dar\u201c (Matt. 5, 38-39).<\/p>\n<p>Dem gew\u00f6hnlichen, mit dem j\u00fcdischen Kontext nicht vertrauten, Zuh\u00f6rer kommen diese und die anderen 5 \u00e4hnlichen \u00c4u\u00dferungen so vor, als sei ein fr\u00fcherer Standard schlechter, nicht korrekt, ung\u00fcltig, oder sogar falsch, und sei durch etwas Besseres ersetzt worden.<\/p>\n<p>Doch ist das n\u00f6tigenfalls so?<\/p>\n<h2>Aufrecht erhalten oder umkrempeln?<\/h2>\n<p><span class=\"dropcap dropcap3\">E<\/span>in Problem dieser traditionellen Interpretation wird fr\u00fch in der Predigt deutlich. Jesus stellt den Gegens\u00e4tzen Folgendes voran: \u201eIhr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzul\u00f6sen. Ich bin nicht gekommen, aufzul\u00f6sen, sondern zu erf\u00fcllen\u201c (5, 17). Er kam, um das Gesetz und die Propheten aufrecht zu erhalten, sich entsprechend zu verhalten.<\/p>\n<p>Einige christliche Bibelausleger konzentrieren sich zwar auf das Wort \u201eerf\u00fcllen\u201c. Er erf\u00fcllte, sagen sie, den Zweck des Gesetzes durch die Kreuzigung, wurde zum vollkommenen Opfer f\u00fcr die S\u00fcnden der gesamten Menschheit, beseitigte die Modalit\u00e4ten des Tempelopfersystems und, in Erweiterung dessen, das ganze Gesetz. Die Bedeutung des Wortes \u201eerf\u00fcllen\u201c wird modifiziert; es meint nicht l\u00e4nger gesetzentsprechendes Verhalten, was das Gesetz unterstreichen w\u00fcrde, sondern meint nun eine einzige Handlung, die ein Ziel erreicht, und damit die Notwendigkeit des Gesetzes au\u00dfer Kraft setzt.<\/p>\n<p>Viele Christen w\u00fcrden dazu \u201eAmen\u201c sagen, dies hat jedoch eine g\u00e4nzlich andere Konnotation als die vorangegangenen Worte, \u201edenkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz aufzul\u00f6sen.\u201c Im Wesentlichen w\u00fcrde das zu einem Widerspruch f\u00fchren: \u201eIch bin nicht gekommen, um das Gesetz abzuschaffen, sondern um das Gesetz abzuschaffen.\u201c Und der Punkt war, wie Jesus zu verstehen gab, das Gesetz nicht zu beseitigen.<\/p>\n<h2>Die fr\u00fcheste Praxis<\/h2>\n<p><span class=\"dropcap dropcap3\">E<\/span>ine weitere Schwierigkeit: Die erste Gemeinschaft j\u00fcdischer Nachfolger Jesu \u201eeiferte f\u00fcr das Gesetz\u201c, und das lange nach der Kreuzigung. Als das Ger\u00fccht umging, Paulus w\u00fcrde die Juden lehren, das Gesetz nicht zu befolgen (ein Ger\u00fccht, das Viele heute noch glauben), baten ihn die \u00c4ltesten in Jerusalem, die Ankl\u00e4ger mundtot zu machen, indem er \u00f6ffentlich best\u00e4tigte, dass er selbst ordentlich wandelte und das Gesetz befolgte, und Paulus ging bereitwillig darauf ein (Apg. 21, 20-26). Es ist offensichtlich, dass die, welche am n\u00e4chsten an der Lehre Jesu dran waren, eine ganz andere Sicht hatten als sp\u00e4tere Generationen nichtj\u00fcdischer Ausleger des Neuen Testaments.<\/p>\n<p>Jesus sagte: \u201eDenn wahrlich, ich sage euch: \u201aBis Himmel und Erde vergehen, wird nicht ein Jota noch ein T\u00fcttel vom Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist\u2018\u201c (V. 18). \u201eJota\u201c bezieht sich auf den kleinsten hebr\u00e4ischen Buchstaben, das Jod, das einem Apostroph \u00e4hnelt. \u201eT\u00fcttel\u201c bezieht sich auf die dekorativen Verschn\u00f6rkelungen eines Thoraschreibers oder auf ein kleines Strichlein, das in der Heiligen Schrift \u00fcber besonderen hebr\u00e4ischen Buchstaben gesetzt wird.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten sagte er, nicht das kleinste Detail des Gesetzes (und der Propheten), nicht einmal ein Buchstabe, oder ein Teil eines Buchstabens, werden vergehen bis zum Ende der Tage. Das ist zweifellos klar ausgedr\u00fcckt. Jesus verficht hier die Besonderheit und Genauigkeit in Bezug auf das Gesetz und die Propheten, im Gegensatz zur Methodik von Theologen der Enterbungslehre (Ersatztheologie).<\/p>\n<p>Es gibt keinen Zweifel, dass der als Jude geborene Jesus daf\u00fcr war, das Gesetz des Mose, das als von Gott befohlene Lebensweise besteht, zu befolgen. Er sagte: \u201eWer nun eines von diesen kleinsten Geboten aufl\u00f6st und die Leute so lehrt, der wird der Kleinste genannt werden im Himmelreich; wer sie aber tut und lehrt, der wird gro\u00df genannt werden im Himmelreich\u201c (Matt. 5, 19). Sp\u00e4ter hatten die \u00c4ltesten in Jerusalem die Erkenntnis, dass die heidenchristlichen Nachfolger Jesu von der Einhaltung der F\u00fclle der Gesetze ausgenommen werden sollten (Apg. 15, 20.29; 21, 25).<\/p>\n<h2>Der vergessene j\u00fcdische Kontext<\/h2>\n<p><span class=\"dropcap dropcap3\">D<\/span>ie Zuh\u00f6rer Jesu waren Juden. Seine Worte in Vers 18 h\u00f6rten sich sehr vertraut f\u00fcr sie an. Vielleicht zur \u00dcberraschung (oder sogar zum Entsetzen) vieler christlicher Leser, zitierte Jesus einen bekannten Ausspruch von einer sich wiederholenden Midrasch, einer rabbinischen Predigt, in diesem Fall verwandt mit einer \u201eGeschichte eines Predigers.\u201c<\/p>\n<p>Hier die Quintessenz dieser fantasievollen Midrasch: Der Buchstabe Jod, abgeleitet vom hebr\u00e4ischen Wort \u201ejarbeh\u201c, was \u201evervielfachen\u201c bedeutet (aus 5. Mo. 17, 17), ging in den Himmel, um sich bei Gott zu beschweren, dass Salomo die Thora Buchstabe f\u00fcr Buchstabe demontiere. Seine Geringsch\u00e4tzung des K\u00f6nigsgesetzes, zum Beispiel bez\u00fcglich der \u201eVervielfachung von Frauen\u201c, bedrohe die Gesamtheit des Gesetzes. Gott antwortete dem Jod: \u201eSalomo und eintausend wie er, werden vergehen, aber der kleinste Schn\u00f6rkel wird nicht [aus der Thora] entfernt werden\u201c (Schemot Rabba 6, 2). Die Moral dieser Midrasch ist klar: Das kleinste Detail des Gesetzes wird bestehen bleiben. Wer dagegen verst\u00f6\u00dft, und sei er so m\u00e4chtig oder weise wie Salomo, wird vergehen.<\/p>\n<p>Indem Jesus die Geschichte des Jods (Jotas) und des T\u00fcttels zitierte, verk\u00fcndete er emphatisch, das Gesetz werde Bestand haben, zumindest bis Himmel und Erde vergehen. Und wie jeder, der dies liest, best\u00e4tigen kann, geh\u00f6ren Himmel und Erde noch nicht zur Vergessenheit. F\u00fcr Jesus war diese Best\u00e4ndigkeit, wie in den rabbinischen Predigten ausgedr\u00fcckt, eine absolute Wahrheit. Bedenke, er sagte: \u201e<strong>Wahrlich<\/strong>, ich sage euch\u201c und fuhr dann mit dem Zitieren der Midrasch fort.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Fragestellung der Absicht Jesu. Tat er dies, um das Gesetz des Mose zu \u00e4ndern, von \u201eAuge um Auge\u201c hin zu \u201eso biete ihm auch die andere Backe dar\u201c? Angesichts des j\u00fcdischen Kontexts muss man, glaube ich, mit einem entschiedenen \u201eNein\u201c antworten. Wie muss man denn dann die gegens\u00e4tzlichen \u00c4u\u00dferungen, \u201eIhr habt geh\u00f6rt, dass gesagt ist\u201c und \u201eich aber sage Euch\u201c, die eine Ersetzung nahelegen, verstehen? Die Antwort folgt im Teil II, und wird, in ihrem j\u00fcdischen Kontext, ebenfalls \u00fcberraschend sein.<\/p>\n<p>*rabbinische Predigt<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2013 War Jesus uneins mit den Rabbinern? Gabriel A. Goldberg, M.A. Zu oft wurde von christlichen Bibelauslegern die Bergpredigt als Lektion der \u00dcberlegenheit von Jesu Lehre \u00fcber die der Rabbiner angesehen, als Darstellung der Gesetze Christi \u00fcber denen des Mose. Oder frei heraus, als w\u00e4re das Christentum dem Judentum \u00fcberlegen. 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