{"id":1600,"date":"2017-05-22T21:16:48","date_gmt":"2017-05-22T18:16:48","guid":{"rendered":"http:\/\/hashivah.org\/?p=1600"},"modified":"2020-06-03T11:43:29","modified_gmt":"2020-06-03T11:43:29","slug":"an-arab-christian-diplomat-and-attorney-speaks-about-arabs-jews-and-peace","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hashivah.org\/de\/an-arab-christian-diplomat-and-attorney-speaks-about-arabs-jews-and-peace\/","title":{"rendered":"Ein christlich-arabischer Diplomat und Anwalt spricht \u00fcber Araber, Juden und den Frieden"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><a href=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/fl-jjdc-deek-0928-20160927-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1603\" src=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/fl-jjdc-deek-0928-20160927-2.jpg\" alt=\"\" width=\"2048\" height=\"945\" \/><\/a>George Deek<\/p>\n<hr \/>\n<blockquote class=\"td_quote_box td_box_center\">\n<p style=\"text-align: right;\"><b><i>Anl\u00e4sslich einer Veranstaltung am 27.09.2014 von <\/i>Med Israel for Fred <i>(Mit Israel f\u00fcr Frieden) im Haus der Literatur in Oslo hat George Deek, ein arabischer Christ, als Gesch\u00e4ftstr\u00e4ger der Botschaft Israels in Norwegen eine fesselnde Rede gehalten. Aus Platzgr\u00fcnden ist der Text hier nur auszugsweise zu lesen.\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><b><i>\u2013 Red.\u00a0<\/i><\/b><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span class=\"dropcap dropcap3\">W<\/span>enn ich durch die Stra\u00dfen meines Heimatortes Jaffa wandere, durch die Gassen der Altstadt, entlang der H\u00e4user im Stadtteil Ajami, wenn ich die Fischernetze am Hafen sehe, werden in mir die Geschichten von 1948 lebendig, dem Jahr, das meine Stadt f\u00fcr immer ver\u00e4nderte.<\/p>\n<p>Eine dieser Geschichten handelt von einer der \u00e4ltesten Familien in dieser uralten Stadt, der Familie Deek, zu der ich geh\u00f6re. Vor 1948 hat mein Gro\u00dfvater Georg, nach dem ich benannt wurde, als Elektriker beim Elektrizit\u00e4tswerk Rotenberg gearbeitet. Und da Jaffa ethnisch gesehen eine gemischte Stadt war, hatte er nat\u00fcrlich auch einige j\u00fcdische Freunde. De facto haben ihm seine Freunde im Elektrizit\u00e4tswerk sogar Jiddisch beigebracht. Er war einer der ersten Araber, die diese Sprache beherrschten.<\/p>\n<p>1947 verlobte er sich mit Vera, meiner Gro\u00dfmutter, und sie planten eine eigene Familie in dieser Stadt zu gr\u00fcnden, in der unsere Familie bereits seit rund 400 Jahren lebte.<\/p>\n<p>Doch einige Monate sp\u00e4ter \u00e4nderten sich diese Pl\u00e4ne buchst\u00e4blich \u00fcber Nacht.<\/p>\n<p>Als die Vereinten Nationen der Gr\u00fcndung Israels zustimmten und als dann der Staat Israel gegr\u00fcndet wurde, warnten die arabischen F\u00fchrer die Araber, die Juden w\u00fcrden planen, sie umzubringen, wenn sie blieben. Sie sagten allen: \u201eVerlasst eure H\u00e4user und flieht.\u201c Sie behaupteten nur ein paar Tage zu brauchen, um mit 5 Armeen das neu entstandene Israel zu vernichten. Meine Familie, entsetzt von dem, was geschehen k\u00f6nnte, beschloss zu fliehen, zusammen mit den meisten andern.<\/p>\n<p>Ein Priester wurde eilends in das Haus der Familie Deek gebracht, der Georg und Vera traute. Meine Gro\u00dfmutter konnte sich nicht einmal ein passendes Kleid besorgen. Nach der hastigen Hochzeit floh die ganze Familie gen Norden, Richtung Libanon.<\/p>\n<p>Doch als der Krieg vor\u00fcber war, war es den Arabern nicht gelungen, Israel zu vernichten. Meine Familie war auf der anderen Seite der Grenze und es schien, als sei es das Schicksal der Br\u00fcder und Schwestern der Familie Deek \u00fcber den ganzen Erdball verstreut zu werden. Heute habe ich Verwandte in Jordanien, Syrien, im Libanon, in Dubai, in Gro\u00dfbritannien, Kanada, den USA, Australien und sonstwo. Die Geschichte meiner Familie ist nur eine von vielen, vermutlich nicht die schlimmste vieler tragischer Geschichten aus dem Jahr 1948.<\/p>\n<p>Laut der UNO wurden 711.000 Pal\u00e4stinenser vertrieben. Gleichzeitig wurden durch die Gr\u00fcndung Israels 800.000 <i>Juden<\/i> drangsaliert und gezwungen, die arabische Welt zu verlassen. Danach gab es in den meisten [dieser Nationen] keine Juden mehr.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/GettyImages-56465038.0-scaled-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1605\" src=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/GettyImages-56465038.0-scaled-2.jpg\" alt=\"\" width=\"5987\" height=\"3963\" \/><\/a>Doch dieser Konflikt war nicht der einzige im 19. und 20. Jahrhundert, der zu Vertreibung und Umsiedelung f\u00fchrte.<\/p>\n<ul>\n<li>Zwischen 1821 und 1922 wurden 5 Millionen Muslime aus Europa vertrieben, zumeist in die T\u00fcrkei.<\/li>\n<li>In den 1990er Jahren brach Jugoslawien auseinander, was 100.000 Tote und 3 Millionen Vertriebene zur Folge hatte.<\/li>\n<li>Zwischen 1919 und 1949, und w\u00e4hrend der Aktion Weichsel [<i>Wis\u0142a<\/i>] zwischen Polen und der Ukraine starben 150.000 Menschen und 1,5 Millionen wurden vertrieben.<\/li>\n<li>Nach dem 2. Weltkrieg und dem Abkommen von Potsdam wurden zwischen 12 und 17 Millionen Deutsche vertrieben.<\/li>\n<li>Durch die Gr\u00fcndung von Indien und Pakistan wurden rund 15 Millionen Menschen umgesiedelt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies geschah auch im Nahen Osten. Zum Beispiel:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Vertreibung von 1,1 Millionen Kurden durch die Ottomanen.<\/li>\n<li>Die Versto\u00dfung von 2,2 Millionen Christen aus dem Irak.<\/li>\n<li>Und w\u00e4hrend wir hier sprechen, werden durch den Aufstieg des radikalen Islam die Jesiden, die Bahai, Kurden, Christen, und sogar Muslime selbst, get\u00f6tet und vertrieben, ungef\u00e4hr 1000 pro Monat.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Chance, dass eine dieser Gruppen in ihre Heimat zur\u00fcckkehrt, existiert fast nicht.<\/p>\n<p>Warum also wird der Trag\u00f6dien der Serben, der europ\u00e4ischen Muslime, der polnischen Fl\u00fcchtlinge oder der irakischen Christen nicht gedacht? Warum wurde die Vertreibung der Juden aus der arabischen Welt vollkommen vergessen, w\u00e4hrend die Trag\u00f6die der Pal\u00e4stinenser (die <i>Nakba<\/i>) noch immer eine Rolle in der heutigen Politik spielt?<\/p>\n<p>Mir erscheint [dies so], weil die Nakba von einer humanit\u00e4ren Katastrophe in eine politische Offensive verwandelt wurde. Man gedenkt der Nakba nicht mehr, um an das Geschehene zu erinnern, sondern um der blo\u00dfen Existenz des Staates Israel zu widersprechen.<\/p>\n<p>Dies wird \u00fcberaus deutlich an der Datumswahl des Gedenktages. Der Nakba-Tag wurde auf den 15. Mai festgesetzt, das ist ein Tag, nachdem Israel seine Unabh\u00e4ngigkeit erkl\u00e4rte. Dadurch machte die pal\u00e4stinensische F\u00fchrung deutlich, dass die Katastrophe an der Nakba nicht die Vertreibung, die verlassenen D\u00f6rfer oder das Exil war. Die eigentliche Nakba ist in ihren Augen die Entstehung Israels. Sie sind weniger betr\u00fcbt \u00fcber die humanit\u00e4re Katastrophe, die die Pal\u00e4stinenser befiel, als \u00fcber die Wiederbelebung des j\u00fcdischen Staates. Mit anderen Worten: Sie betrauern nicht den Fakt, dass meine Cousins Jordanier sind, sie betrauern den Fakt, dass ich Israeli bin.<\/p>\n<p>Dadurch sind die Pal\u00e4stinenser Sklaven der Vergangenheit geworden, geknebelt durch Ketten der Verbitterung, gefangen in einer Welt der Frustration und des Hasses.<\/p>\n<p>Doch liebe Freunde,<\/p>\n<p><b>Um die Vergangenheit zu bew\u00e4ltigen, muss man zun\u00e4chst die Zukunft absichern.\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Dies habe ich von meinem Musiklehrer Avraham Nov gelernt. Als ich 7 Jahre alt war, trat ich der Blaskapelle der christlich-arabischen Gemeinschaft in Jaffa bei. Dort traf ich Avraham, der mir das Fl\u00f6te- und Klarinettespielen beibrachte.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Krakow_Ghetto_06694-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1606\" src=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Krakow_Ghetto_06694-2.jpg\" alt=\"\" width=\"1376\" height=\"845\" \/><\/a>Avraham ist ein Holocaust-\u00dcberlebender, dessen ganze Familie von den Nazis umgebracht wurde. Er \u00fcberlebte nur, weil ein Nazi-Offizier seine Begabung f\u00fcr das Harmonikaspielen entdeckte und ihn w\u00e4hrend des Krieges mit nach Hause nahm, um seine G\u00e4ste zu unterhalten.<\/p>\n<p>Als der Krieg vor\u00fcber war, h\u00e4tte er einfach dasitzen und \u00fcber das gr\u00f6\u00dfte Verbrechen der Menschheit in der Menschheitsgeschichte weinen k\u00f6nnen, und \u00fcber die Tatsache, dass er alleine war. Aber er w\u00e4hlte das Leben, nicht den Tod, die Hoffnung statt der Verzweiflung.<\/p>\n<p>Avraham kam nach Israel, heiratete, gr\u00fcndete eine Familie und begann, das zu lehren, was sein Leben gerettet hatte \u2013 Musik. Er wurde zum Lehrer f\u00fcr tausende Kinder im ganzen Lande. Und als er die Spannungen zwischen den Arabern und den Juden sah, beschloss dieser Holocaust-\u00dcberlebende hunderten von arabischen Kindern, wie mir, Hoffnung durch die Musik zu vermitteln.<\/p>\n<p>Holocaust\u00fcberlebende wie Avraham sind die erstaunlichsten Menschen, die es gibt. W\u00e4hrend der 15 Jahre, die ich Avraham kannte, war ich sein Sch\u00fcler. Er sprach nie \u00fcber seine Vergangenheit, au\u00dfer einmal, als ich es wissen wollte. Viele Holocaust\u00fcberlebende sprachen nicht \u00fcber diese Jahre, \u00fcber den Holocaust, manchmal jahrzehntelang nicht, auch nicht mit ihren Familien.<\/p>\n<p>Erst als sie ihre Zukunft abgesichert hatten, erlaubten sie sich auf ihre Vergangenheit zu schauen. Sie bauten ihre Zukunft in ihrer alt-neuen Heimat, dem Staat Israel. Und unter dem Schatten ihrer gr\u00f6\u00dften Trag\u00f6die bauten die Juden ein Land auf, das weltweit f\u00fchrend in der Medizin, der Landwirtschaft und der Technologie ist.<\/p>\n<p>Warum? Weil sie nach vorne schauten. Freunde, dies ist eine Lektion f\u00fcr jede Nation, die eine Trag\u00f6die \u00fcberwinden will, auch f\u00fcr die Pal\u00e4stinenser.<\/p>\n<p><b>Und der erste Schritt in diese Richtung ist zweifelsohne ein Ende der besch\u00e4menden Behandlung pal\u00e4stinensischer Fl\u00fcchtlinge.<\/b><\/p>\n<p>In der arabischen Welt gelten pal\u00e4stinensische Fl\u00fcchtlinge \u2013 inklusive ihre Kinder, Enkel und sogar Urenkel \u2013 noch immer nicht als eingelebt, werden sie \u00f6ffentlich diskriminiert und haben in den meisten F\u00e4llen weder B\u00fcrgerrecht, noch grundlegende Menschenrechte.<\/p>\n<p>Warum sind meine Verwandten in Kanada kanadische B\u00fcrger, w\u00e4hrend meine Verwandten in Syrien, dem Libanon oder den Golfstaaten \u2013 die dort geboren wurden, und keine andere Heimat kennen \u2013 noch immer Fl\u00fcchtlinge [ohne B\u00fcrgerrecht]? In arabischen L\u00e4ndern erfahren die Pal\u00e4stinenser eindeutig die schlimmste Unterdr\u00fcckung im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Und die Beteiligten dieses Verbrechens sind keine geringeren als die internationale Gemeinschaft und die Vereinten Nationen. Statt ihre Arbeit zu tun und den Fl\u00fcchtlingen beim Aufbau eines eigenen Lebens zu helfen, f\u00f6rdert die internationale Gemeinschaft ihre Darstellung als Opfer.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es nur eine UN-Institution f\u00fcr alle Fl\u00fcchtlinge der Welt gibt \u2013 die UNHCR \u2013 gr\u00fcndete man eine weitere Institution, die sich <i>nur<\/i> mit den pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlingen befasst \u2013 die UNRWA. Das ist kein Zufall. W\u00e4hrend die UNHCR Fl\u00fcchtlingen bei der Gr\u00fcndung eines neuen Heims, der Gestaltung ihrer Zukunft und der Beendigung ihres Fl\u00fcchtlingsstatus helfen will, hat die UNRWA das umgekehrte Ziel: Deren Status als Fl\u00fcchtlinge beizubehalten und sie daran zu hindern, ein neues Leben beginnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die internationale Gemeinschaft kann nicht ernsthaft erwarten, das Fl\u00fcchtlingsproblem zu l\u00f6sen, wenn sie mit der arabischen Welt dahingehend zusammenarbeitet, dass man die Fl\u00fcchtlinge wie ein politisches Faustpfand behandelt und ihnen die grundlegenden Rechte verwehrt, die sie verdienen.<\/p>\n<p>Wo immer man den pal\u00e4stinensischen Fl\u00fcchtlingen gleiche Rechte garantierte, bl\u00fchten sie auf und trugen zur jeweiligen Gesellschaft bei \u2013 in S\u00fcdamerika, in den USA und sogar in Israel. In der Tat war Israel eines der wenigen L\u00e4nder, das allen Pal\u00e4stinensern [innerhalb ihrer Landesgrenzen] nach 1948 automatisch das volle B\u00fcrgerrecht verlieh und sie gleichstellte.<\/p>\n<p>Und wir sehen die Resultate:<\/p>\n<ul>\n<li>Israelische Araber sind die am besten ausgebildeten Araber weltweit mit dem h\u00f6chsten Lebensstandard und den gr\u00f6\u00dften Entwicklungsm\u00f6glichkeiten in der Region.<\/li>\n<li>Araber dienen als Richter am [israelischen] Obersten Gerichtshof.<\/li>\n<li>Einige der besten \u00c4rzte in Israel sind Araber und arbeiten nahezu in jedem Krankenhaus des Landes.<\/li>\n<li>Es gibt 13 arabische Mitglieder des [israelischen] Parlamentes, die das Recht genie\u00dfen, die Regierung zu kritisieren \u2013 ein Recht, das sie vollumf\u00e4nglich ausnutzen \u2013 gesch\u00fctzt von der Redefreiheit.<\/li>\n<li>Araber gewinnen popul\u00e4re <i>Reality-TV Shows <\/i>[in Israel].<\/li>\n<li>Man findet sogar arabisch [-israelische] Diplomaten \u2013 und einer von denen steht vor Ihnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DSCN2229-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1609\" src=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/DSCN2229-2.jpg\" alt=\"\" width=\"1600\" height=\"1200\" \/><\/a>Wenn ich heute die Stra\u00dfen von Jaffa entlang gehe, sehe ich die alten H\u00e4user und den alten Hafen, aber ich sehe auch Kinder, die zur Schule und zur Universit\u00e4t gehen; ich sehe florierende Gesch\u00e4fte und ein pulsierendes Kulturleben. Kurz gesagt, wir haben eine Zukunft in Israel.<\/p>\n<p>Das bringt mich zu meinem n\u00e4chsten Punkt:<\/p>\n<p><b>Die Zeit ist gekommen, der Kultur des Hasses und der Anstiftung ein Ende zu setzen, denn der Antisemitismus ist meines Erachtens genauso eine Bedrohung f\u00fcr Muslime und Christen wie f\u00fcr Juden.<\/b><\/p>\n<p>Ich bin vor knapp \u00fcber 2 Jahren in Norwegen angekommen und habe hier erstmals mit Juden als einer Minderheit zu tun gehabt. Ich bin daran gew\u00f6hnt, sie als Mehrheit zu sehen. Ich bin in einer \u00e4hnlichen Umgebung aufgewachsen, in der christlich-arabischen Gemeinschaft in Jaffa. Ich war Teil des orthodoxen Christentums, das Teil der christlichen Gemeinschaft ist, die wiederum Teil der arabischen Minderheit ist, im j\u00fcdischen Staat Israel in einem muslimischen Nahen Osten. Es ist wie diese russischen Puppen, die Matrjoschkas. Man \u00f6ffnet eine gr\u00f6\u00dfere und darin befindet sich eine kleinere. Ich bin das kleinste Teil.<\/p>\n<p>Wenn man eine Minderheit ist, liebe Freunde, hei\u00dft das, man ist anders. Und keine Nation hat je einen h\u00f6heren Preis bezahlt daf\u00fcr, eine Minderheit zu sein, als das j\u00fcdische Volk. Die Geschichte des j\u00fcdischen Volkes hat dem Wortschatz der Menschheit viele Worte eingebracht, wie Vertreibung, Zwangskonvertierung, Inquisition, Ghetto, Pogrom, ganz zu schweigen vom Wort Holocaust. Der [fr\u00fchere Ober-] Rabbiner Gro\u00dfbritanniens, Lord Jonathan Sacks, erkl\u00e4rt genau, wie die Juden \u00fcber die Jahrtausende hinweg leiden mussten, weil sie anders waren. Denn sie waren die bedeutendste nichtchristliche Minderheit in Europa (und sind heute die bedeutendste nichtmuslimische Minderheit im Nahen Osten.)<\/p>\n<p>Und ein Europa (oder ein Naher Osten), in dem kein Platz f\u00fcr Juden ist, in dem ist auch kein Platz f\u00fcr Menschlichkeit.<\/p>\n<p>Lasst uns nicht vergessen, dass der Antisemitismus zwar mit den Juden anfangen mag, aber nie bei den Juden aufh\u00f6rt. Sie sind nicht die Einzigen, die w\u00e4hrend der Inquisition zwangsbekehrt wurden. Und Hitler stellte sicher, dass Zigeuner und Homosexuelle, und Andere, gemeinsam mit den Juden litten.<\/p>\n<p>Und jetzt passiert es wieder, dieses Mal im Nahen Osten. Die arabische Welt scheint vergessen zu haben, dass sie ihre besten Tage in den letzten 1400 Jahren hatte, als sie denjenigen, die anders waren, Offenheit und Toleranz erzeigte.<\/p>\n<ul>\n<li>Der geniale Mathematiker Ibn Musa al-Khwarizmi war Usbeke.<\/li>\n<li>Der gro\u00dfe Philosoph Rumi war Perser.<\/li>\n<li>Der glorreiche F\u00fchrer Salah ad-Din [Saladin] war Kurde.<\/li>\n<li>Der Gr\u00fcnder des arabischen Nationalismus war Michel Aflaq \u2013 ein Christ.<\/li>\n<li>Und derjenige, der dem Rest der Welt die islamische Wiederentdeckung von Platon und Aristoteles brachte, war Maimonides \u2013 ein Jude.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Doch statt den erfolgreichen Ansatz der Toleranz wieder zu beleben, lehrt man die arabische Jugend, Juden zu hassen und nutzt antisemitische Rhetorik aus dem Europa des Mittelalters, vermischt mit islamischem Radikalismus. Und wieder einmal gilt: Was als Feindseligkeit gegen\u00fcber Juden begann, wird zur Feindseligkeit gegen\u00fcber allen, die anders sind.<\/p>\n<p>Vor einer Woche sind mehr als 60.000 Kurden von Syrien Richtung T\u00fcrkei geflohen, aus Angst vor Abschlachtung. Am selben Tag sind 15 Pal\u00e4stinenser aus Gaza im Meer ertrunken bei dem Versuch, den F\u00e4ngen der Hamas zu entkommen. Die Bahais und Jesiden sind in Gefahr.<\/p>\n<p>Und damit nicht genug, ist die ethnische S\u00e4uberung von Christen im Nahen Osten das gr\u00f6\u00dfte Verbrechen gegen die Menschlichkeit im 21. Jahrhundert. In nur zwei Jahrzehnten wurde die Zahl der Christen, wie ich einer bin, von 20 % auf heute nur noch 4 % der Bev\u00f6lkerung im Nahen Osten reduziert.<\/p>\n<p>Wenn wir weiterhin unser Recht auf Andersartigkeit sch\u00fctzen wollen, wenn wir eine Zukunft in dieser Region haben wollen, denke ich, wir sollten zusammen stehen \u2013 Juden, Muslime und Christen gemeinsam. Wir werden f\u00fcr das Recht der Christen k\u00e4mpfen, \u00fcberall ihren Glauben ohne Furcht ausleben zu k\u00f6nnen, mit derselben Leidenschaft, mit der wir f\u00fcr das Recht der Juden k\u00e4mpfen, ohne Furcht leben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir werden gegen Islamophobie [Vorurteile gegen\u00fcber Muslimen] k\u00e4mpfen, aber unsere muslimischen Partner m\u00fcssen sich anschlie\u00dfen im Kampf gegen die Christenphobie und die Judenphobie. Denn die uns allen gemeine Menschlichkeit steht auf dem Spiel.<\/p>\n<p>Die arabische Welt kann die Einstellung \u00fcberwinden, die [Pal\u00e4stinenser] seien hilflose Opfer, doch dazu m\u00fcssen sie sich f\u00fcr Selbstkritik \u00f6ffnen und sich selbst zur Rechenschaft ziehen lassen:<\/p>\n<ul>\n<li>Bis heute stellt kein einziges Geschichtsbuch in der arabischen Welt den historischen Fehler in Frage, dass man die Gr\u00fcndung des j\u00fcdischen Staates ablehnt.<\/li>\n<li>Kein prominenter arabischer Akademiker hat je eingestanden, dass, wenn die Araber die Idee eines j\u00fcdischen Staates akzeptiert h\u00e4tten, es 2 Staaten gegeben h\u00e4tte und keine Kriege, und damit g\u00e4be es kein Fl\u00fcchtlingsproblem.<\/li>\n<li>Ich vermisse eine Debatte dar\u00fcber, ob der destruktive F\u00fchrungsstil des <i>Muftis<\/i> von Jerusalem, Haj Amin al-Husseini, gut war oder nicht, ob der damals unn\u00f6tige, 1948 von der Arabischen Liga begonnene, Krieg sinnvoll war, oder jeder weitere gegen Israel in den Folgejahren bis heute gef\u00fchrte Krieg.<\/li>\n<li>Und ich vermisse heute auch die Selbstkritik beim pal\u00e4stinensischen Mainstream \u00fcber den Einsatz von Terrorismus, den Beginn der zweiten <i>Intifada<\/i> oder die Ablehnung [mehrerer] israelischer Angebote seit 1999 zur Beendigung des Konfliktes.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nur die Araber selbst k\u00f6nnen ihre Wirklichkeit ver\u00e4ndern, indem sie sich nicht auf Verschw\u00f6rungstheorien verlassen und die au\u00dfen stehenden Parteien \u2013 Amerika, die Juden, den Westen oder wen auch immer \u2013 f\u00fcr all ihre Probleme verantwortlich machen.<\/p>\n<p><b>Ich<\/b> <b>las einen sehr interessanten Artikel von Lord Sacks \u00fcber die Rivalit\u00e4t unter Br\u00fcdern in der Bibel.\u00a0<\/b><\/p>\n<p>Es gibt 4 Geschichten davon im ersten Buch Mose: Kain und Abel, Isaak und Ismael, Jakob und Esau sowie Josef und seine Br\u00fcder. Jede Geschichte endet anders:<\/p>\n<ul>\n<li>Im Fall von Kain und Abel liegt Abel am Ende tot da.<\/li>\n<li>Im Fall von Isaak and Ismael stehen sie gemeinsam am Grab ihres Vaters.<\/li>\n<li>Im Fall von Jakob und Esau treffen sie sich, umarmen sich und gehen danach getrennte Wege.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Doch im Falle Josefs endet alles anders. Josef war der 11.<sup>.<\/sup>von Jakobs 12 S\u00f6hnen und Rahels Erstgeborener. An einem Punkt der Geschichte verkaufen die Br\u00fcder Josef aus Eifersucht in die Sklaverei. Er wird jedoch der zweitm\u00e4chtigste Mann in \u00c4gypten nach dem Pharao. Als es eine Hungersnot in Kanaan gab, kamen Josefs Br\u00fcder und ihr Vater nach \u00c4gypten. Dort allerdings vergibt Josef seinen Br\u00fcdern, statt sie zu bestrafen f\u00fcr das, was sie ihm angetan haben. Das war der erste dokumentierte Fall von Vergebung und Vers\u00f6hnung in der Literatur.<\/p>\n<p>Josef versorgt seine Br\u00fcder mit allem, was sie brauchen. Sie gedeihen, wachsen zahlenm\u00e4\u00dfig und werden zu einer gro\u00dfen Nation. Am Ende der Geschichte sagt Josef zu seinen Br\u00fcdern: \u201eIhr gedachtet es b\u00f6se mit mir zu machen, aber Gott wollte es gut machen, um zu erreichen, was jetzt geschieht, die Rettung vieler Leben.\u201c Damit meinte er, dass wir mit unserem Handeln in der Gegenwart die Zukunft gestalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Als Juden und Pal\u00e4stinenser m\u00f6gen wir zwar keine Br\u00fcder des <i>Glaubens<\/i> sein, ganz sicher aber Br\u00fcder des <i>Schicksals<\/i>. Ich glaube, dass wir, wie in der Geschichte von Josef, durch richtige Entscheidungen, und indem wir auf die Zukunft fokussieren, unsere Vergangenheit hinter uns lassen k\u00f6nnen. Die Feinde von Gestern k\u00f6nnen die Freunde von Morgen sein. Dies geschah zwischen Deutschland und Israel, \u00c4gypten und Israel und Jordanien und Israel.<\/p>\n<p><b>Ich habe Ihnen<\/b> <b>noch nicht den Rest meiner Familiengeschichte von 1948 erz\u00e4hlt. <\/b>Nach einer langen Reise, das meiste zu Fu\u00df, erreichten meine Gro\u00dfeltern Georg und Vera Libanon. Sie blieben viele Monate dort. W\u00e4hrend sie dort waren, gebar meine Gro\u00dfmutter ihren ersten Sohn, meinen Onkel Sami. Als der Krieg vor\u00fcber war, stellten sie fest, dass man sie belogen hatte. Die Araber hatten den Krieg nicht, wie versprochen, gewonnen. Und die Juden hatten nicht alle Araber umgebracht, wie man ihnen prophezeit hatte.<\/p>\n<p>Mein Gro\u00dfvater sah sich um und sah nichts als ein Leben in der Sackgasse, als Fl\u00fcchtlinge. Er sah sich seine junge, noch nicht einmal 18-j\u00e4hrige Frau und seinen neu geborenen Sohn an und wusste, dass es an einem Ort, der in der Vergangenheit stecken geblieben war und nicht nach vorne schauen konnte, keine Zukunft f\u00fcr seine Familie gab. W\u00e4hrend seine Br\u00fcder und Schwestern ihre Zukunft im Libanon und anderen arabischen und westlichen Staaten sahen, hatte er andere Pl\u00e4ne.<\/p>\n<p>Er wollte zur\u00fcck nach Jaffa, in seinen Heimatort. Da er in der Vergangenheit mit Juden zusammen gearbeitet hatte und Freunde unter ihnen hatte, war er keiner Gehirnw\u00e4sche des Hasses unterlegen.<\/p>\n<p>Mein Gro\u00dfvater tat, was wenige andere gewagt h\u00e4tten: Er ging auf die zu, welche seine Gemeinschaft als Feinde ansah. Er kontaktierte einen seiner alten Freunde bei den Elektrizit\u00e4tswerken und bat ihn um Hilfe.<\/p>\n<p>Und dieser Freund, den ich aus den Geschichten meines Vaters kenne, konnte meinem Gro\u00dfvater helfen zur\u00fcckzukehren. Und in einem au\u00dferordentlichen Akt der Gnade half er ihm sogar, seinen alten Job wieder zu bekommen, in der Firma, die jetzt die israelischen Elektrizit\u00e4tswerke waren. So war er einer der wenigen Araber, die dort arbeiteten.<\/p>\n<p>Heute gibt es unter meinen Geschwistern und Cousins Buchhalter, Lehrer, Versicherungsvertreter, Hightech-Ingenieure, Diplomaten, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Fabriken, Universit\u00e4tsprofessoren, \u00c4rzte, Anw\u00e4lte, Investmentbroker, Leiter von Israels Gro\u00dfunternehmen, Architekten \u2013 und sogar Elektriker.<\/p>\n<p>Der Grund, warum es meine Familie im Leben geschafft hat, der Grund, warum ich hier als israelischer Diplomat stehe, und nicht als pal\u00e4stinensischer Fl\u00fcchtling aus dem Libanon, ist der, dass mein Gro\u00dfvater den Mut hatte, eine Entscheidung zu treffen, die f\u00fcr andere undenkbar war. Statt in Verzweiflung zu verfallen, fand er dort Hoffnung, wo keiner es wagte, sie zu suchen. Er beschloss, unter denen zu leben, die als seine Feinde betrachtet wurden, und sie zu seinen Freunden zu machen. Daf\u00fcr sind meine Familie und ich ihm und meiner Gro\u00dfmutter auf ewig zu Dank verpflichtet.<\/p>\n<p>Die Geschichte der Familie Deek sollte als eine Quelle der Inspiration dienen. Wir k\u00f6nnen die Vergangenheit nicht \u00e4ndern, aber wir k\u00f6nnen eine Zukunft sichern f\u00fcr unsere kommenden Generationen.<\/p>\n<p>Vielen Dank.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><i>Transkript: Conrad Myrland<\/i><\/p>\n<p><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>George Deek Anl\u00e4sslich einer Veranstaltung am 27.09.2014 von Med Israel for Fred (Mit Israel f\u00fcr Frieden) im Haus der Literatur in Oslo hat George Deek, ein arabischer Christ, als Gesch\u00e4ftstr\u00e4ger der Botschaft Israels in Norwegen eine fesselnde Rede gehalten. 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