{"id":1054,"date":"2015-08-22T17:46:18","date_gmt":"2015-08-22T14:46:18","guid":{"rendered":"http:\/\/hashivah.org\/?p=1054"},"modified":"2020-06-03T11:43:26","modified_gmt":"2020-06-03T11:43:26","slug":"why-would-god-kill-moses","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hashivah.org\/de\/why-would-god-kill-moses\/","title":{"rendered":"Warum w\u00fcrde Gott Mose t\u00f6ten wollen?"},"content":{"rendered":"<p><div id=\"attachment_686\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-686\" class=\"wp-image-686 size-thumbnail\" title=\"Gabriel A. Goldberg, M.A.\" src=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/gabi_small-1-150x150.png\" alt=\"Gabriel A. Goldberg, M.A.\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/gabi_small-1-150x150.png 150w, https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/gabi_small-1-70x70.png 70w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><p id=\"caption-attachment-686\" class=\"wp-caption-text\">Gabriel A. Goldberg, M.A.<\/p><\/div><\/p>\n<p><b>In den Anfangskapiteln von 2. Mose wird ein absonderliches Ereignis geschildert. Es verdeutlicht ein fundamentales Prinzip von Gottes Beziehung zu Israel. Nur kurz erw\u00e4hnt, erscheint es zweitrangig f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfere Rahmenhandlung, den Auszug des Volkes Israel (Exodus). Es ist jedoch ein Kernst\u00fcck der Handlung. Diese merkw\u00fcrdige Episode mit einer wichtigen Botschaft lenkt unsere Aufmerksamkeit auf heutige Ereignisse. Sie dient als strenge Warnung, sich Gott beim Thema Israel nicht zu widersetzen.<\/b><\/p>\n<p>Als Mose zu seiner Reise nach \u00c4gypten aufbrach, um vom Pharao die Freilassung Israels aus der Sklaverei zu verlangen, lesen wir: <i>\u201eUnd es geschah auf dem Weg, in der Herberge, da trat der HERR ihm entgegen und wollte ihn t\u00f6ten. Da nahm Zippora einen scharfen Stein, schnitt ihrem Sohn die Vorhaut ab, ber\u00fchrte damit seine F\u00fc\u00dfe und sagte: \u201aDu bist mir ein Blutbr\u00e4utigam!\u2018 Da lie\u00df Er von ihm ab. Dann sagte sie: \u201aEin Blutbr\u00e4utigam wegen der Beschneidung\u2018\u201c<\/i> (2. Mo. 4, 24-26).<i> <\/i>Es scheint, als versuchte Gott Mose zu t\u00f6ten. (Das ist die \u00fcbliche Auslegung.)<\/p>\n<p>Wirklich bizarr.<\/p>\n<p>Gott gibt Mose einen gro\u00dfen Auftrag, Israel aus \u00c4gypten zu f\u00fchren (3, 10) und gerade als er losgeht, will Gott ihn t\u00f6ten. Doch ebenso schnell l\u00e4sst Gott ohne weitere Erkl\u00e4rung wieder davon ab. Nur 3 Verse, dann geht die Erz\u00e4hlung mit der Geschichte des Exodus weiter.<\/p>\n<p>Die Inkongruenz dieses Ereignisses erfordert es, dass wir dies untersuchen. Dabei erkennen wir auch eine bemerkenswerte Parallele zwischen der Weigerung des Pharaos, Israel ziehen zu lassen und zwischen Moses st\u00e4ndigen Ausreden, Gottes Instruktionen zu befolgen.<\/p>\n<p>Die Schl\u00fcsselfrage lautet: Warum wollte Gott Mose t\u00f6ten?<\/p>\n<p>In der Bibel wird f\u00fcr gew\u00f6hnlich deutlich, warum Menschen von Gott bestraft werden, oder es gibt zumindest eine Vorwarnung, zum Beispiel bei Adam und Eva, Kain oder der Stadt Ninive. In unserer Geschichte ist scheinbar kein Grund genannt.<\/p>\n<h2>Wird der Bund der Beschneidung wirklich vernachl\u00e4ssigt?<\/h2>\n<p><span class=\"dropcap dropcap2\">J<\/span>\u00fcdische wie christliche Bibelausleger suchen im Kontext nach der Antwort, insbesondere in den 2 Versen nach Gottes Versuch, Mose zu t\u00f6ten. Zippora, Moses Frau, beschnitt den gemeinsamen Sohn. Infolgedessen lie\u00df Gott davon ab, ihn t\u00f6ten zu wollen. Die Beschneidung, so scheint es, bes\u00e4nftigte Gott.<\/p>\n<p>Die j\u00fcdischen Bibelausleger Raschi und Sforno schlossen daraus, dass Mose es <i>vers\u00e4umt <\/i>hatte die auf einem Bund beruhende Beschneidung an seinem Sohn vorzunehmen. Gott war so zornig auf Mose, dass er ihn sogar t\u00f6ten wollte. Christliche Bibelausleger stimmen mit dieser Auslegung \u00fcberein.<\/p>\n<p>Doch diese Interpretation ist problematisch:<\/p>\n<ol>\n<li>Die Bibel sagt, ein unbeschnittener j\u00fcdischer Mann muss selber die <i>Karet<\/i>-Strafe tragen \u2013 seine Seele wird von seinem Volk getrennt (1. Mo. 17, 9-14). Nirgendwo im Gesetz steht, dass ein <i>Vater<\/i> mit dem Tod oder etwas anderem bestraft wird, weil er die Beschneidung seines Sohnes vernachl\u00e4ssigt hat.<\/li>\n<li>Die w\u00e4hrend der 40-j\u00e4hrigen W\u00fcstenwanderung geborenen Israeliten wurden erst kurz vor Betreten des Verhei\u00dfenen Landes beschnitten, und nicht vorher (Jos. 5, 2-8). Sie wurden nicht von Gott get\u00f6tet. Ihre Eltern starben in der W\u00fcste, da sie den schlimmen Berichten (die S\u00fcnde der Kundschafter!) \u00fcber das gute Land geglaubt hatten \u2013 nicht, weil sie keine Beschneidung vornahmen. Wenn Gott die Geduld hatte, 40 Jahre auf die Beschneidung bei der W\u00fcstengeneration zu warten, warum sollte er Mose jetzt auf dem Weg nach \u00c4gypten bestrafen?<\/li>\n<\/ol>\n<h2>Sagt die Bibel dies wirklich? Einige \u00dcbersetzungen sind irref\u00fchrend<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Pharaohs-first-born-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1056\" src=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Pharaohs-first-born-1-300x186.jpg\" alt=\"Pharaoh's first born\" width=\"300\" height=\"186\" srcset=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Pharaohs-first-born-1-300x186.jpg 300w, https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Pharaohs-first-born-1-1024x635.jpg 1024w, https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Pharaohs-first-born-1-768x477.jpg 768w, https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Pharaohs-first-born-1-1536x953.jpg 1536w, https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Pharaohs-first-born-1-335x208.jpg 335w, https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Pharaohs-first-born-1.jpg 1990w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><span class=\"dropcap dropcap2\">E<\/span>in weiteres Problem: Sind wir sicher, dass Gott <i>Mose<\/i> t\u00f6ten wollte? Vielleicht wollte Er jemand anderen t\u00f6ten.<\/p>\n<p>Viele Leser wird es \u00fcberraschen, dass die Bibel nicht sagt, Gott beabsichtigte Mose zu t\u00f6ten. Der hebr\u00e4ische Urtext nennt den Namen der Person nicht. Das Hebr\u00e4ische verwendet im 2. Mose 4, 24 nur Pronomen: <i>\u201eDa trat der HERR ihm entgegen und wollte <\/i><b><i>ihn<\/i><\/b><i> t\u00f6ten.\u201c <\/i>Ist mit \u201eihn\u201c zwangsl\u00e4ufig Mose gemeint? Wir wissen, dass 4 Leute auf die Reise gingen: Mose, Zippora und ihre beiden S\u00f6hne, Gerschom und Eli\u00ebser. Die Einzige, die ganz sicher nicht gemeint war, ist Zippora.<\/p>\n<p>Die <i>New International Version<\/i> (NIV), eine beliebte englische Bibel\u00fcbersetzung unter Evangelikalen, f\u00fcgt \u201eMose\u201c im Text ein, statt wortw\u00f6rtlich \u201eihn\u201c zu \u00fcbersetzen. Im Vorwort geben die Herausgeber zu, der Verst\u00e4ndlichkeit halber manchmal Pronomen durch Eigennamen oder Namen zu ersetzen. Obwohl gut gemeint, geh\u00f6rt doch einige Dreistigkeit dazu, den Text zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Man muss den Herausgebern zugute halten, dass sie in einer Fu\u00dfnote schreiben, \u201eihn\u201c k\u00f6nne sich auf Moses Sohn beziehen, doch das Kleingedruckte lesen viele nicht. Statt aufzukl\u00e4ren, macht der NIV-Text den Leser glauben, Mose sei Gottes Ziel.<\/p>\n<p>Diese gezielte Fehl\u00fcbersetzung von \u201eMose\u201c, statt \u201eihn\u201c findet sich h\u00e4ufig in christlichen, und gelegentlich in j\u00fcdischen Bibel\u00fcbersetzungen. Einige weisen nicht auf die Text\u00e4nderung hin. Der Leser wei\u00df somit nicht, dass der Text durch Interpretation \u201everf\u00e4lscht\u201c wurde.<\/p>\n<p>Wer also ist Gottes Opfer? Mose, Gerschom oder Eli\u00ebser? W\u00e4hrend viele glauben, es sei Mose, haben Bibelausleger jeweils jeden der drei vorgeschlagen.<\/p>\n<p>Der mittelalterliche Ausleger Ibn Esra schlug Eli\u00ebser vor. Ein anderer, Raschbam, schrieb, Gott versuchte, Mose zu t\u00f6ten, nannte jedoch einen anderen Grund daf\u00fcr: Raschbam behauptete, Gott wollte Mose bestrafen, weil er Gottes Befehl, beim Pharao vorzusprechen, verz\u00f6gerte.<\/p>\n<p>Jetzt werden einige Leser fragen: Spielt es denn \u00fcberhaupt eine Rolle, wer es war? H\u00f6ren Sie mit der Haarspalterei auf und konzentrieren Sie sich auf den Befreiungsschlag des Exodus.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind aber das \u201eWer\u201c und das \u201eWarum\u201c <i>entscheidend<\/i> f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Exodus. Erst beide Aspekte <i>zusammen<\/i> genommen, lassen uns die zugrunde liegende Botschaft verstehen.<\/p>\n<p>Ich stimme Rashbam zu, jedoch nur teilweise. Gott strafte Mose, weil er seine Mission hinausz\u00f6gerte, doch der Mensch, den Gott t\u00f6ten wollte, war nicht Mose, sondern Gerschom, sein Erstgeborener.<\/p>\n<h2>Ein anderer Kontext, eine andere Antwort<\/h2>\n<p><span class=\"dropcap dropcap2\">S<\/span>tatt die Verse 25 und 26 <i>nach<\/i> Gottes Versuch, jemanden zu t\u00f6ten, sollte man die Verse <i>davor <\/i>n\u00e4her betrachten, n\u00e4mlich die Verse 22 und 23. Dort befiehlt Gott Mose dem Pharao zu sagen: <i>\u201eSo spricht der HERR: Mein erstgeborener Sohn ist Israel. Und ich sage dir: Lass meinen Sohn ziehen, damit er mir diene! Du aber hast dich geweigert, ihn ziehen zu lassen, siehe, so werde ich deinen erstgeborenen Sohn t\u00f6ten.\u201c<\/i><\/p>\n<p>Gott hat eine Bestimmung f\u00fcr Israel. Es soll eine heilige Nation sein, ein K\u00f6nigreich von Priestern. Gottes Diener, nicht Pharaos Sklaven. Es ist Gottes Plan, Israel zu befreien, dem Volk das Gesetz zu geben und es in das Verhei\u00dfene Land zu bringen. Dort wird es seine priesterliche Funktion erf\u00fcllen als \u201eerstgeborener Sohn\u201c unter den Nationen. Israel ist Gottes Teil und Eigentum, nicht Pharaos Eigentum und Spielzeug.<\/p>\n<p>Interessant, dass Mose beim ersten Treffen mit dem Pharao nicht sagte, was Gott ihm auftrug zu sagen (Verse 22-23). Zumindest h\u00e4lt die Bibel das nicht fest. Man k\u00f6nnte sogar erwarten, diese Worte vor der 10. Plage, der Erschlagung der \u00e4gyptischen Erstgeborenen, zu h\u00f6ren. Aber auch dort werden sie nicht erw\u00e4hnt. Man beachte auch, dass Gott sagte, <i>\u201eDu aber <\/i><b><i>hast dich geweigert<\/i><\/b><i>, ihn ziehen zu lassen\u201c, <\/i>noch bevor Mose den Pharao \u00fcberhaupt getroffen hatte, und dieser es verweigern konnte. Im Hebr\u00e4ischen steht der Satz in der Vergangenheit (<i>va-tema\u2019en,<\/i> mit dem \u201e<i>vav-<\/i>Konsekutiv). Die meisten christlichen \u00dcbersetzungen verwenden hier f\u00e4lschlicherweise die Zukunftsform mit einer Bedingung (\u201ewenn du dich weigern <i>wirst<\/i>, \u2026 dann \u2026\u201c).<\/p>\n<p>Die Warnung scheint textm\u00e4\u00dfig und chronologisch an der falschen Stelle zu stehen. Eigenartig, dass sie hier steht, unmittelbar, bevor Gott jemanden in Moses Familie t\u00f6ten will. Es sei denn, die Drohung ist an <i>Moses<\/i> Familie gerichtet.<\/p>\n<p>Genau das ist der Punkt. Klar, diese Warnung gilt dem Pharao, wie der Vers 22 verdeutlicht. Sie enth\u00e4lt aber auch eine Botschaft an Mose, der, \u00e4hnlich wie der Pharao, Israels Befreiung aus der Sklaverei hinausz\u00f6gerte.<\/p>\n<h2>Die 10 Weigerungen des Pharaos \u2026 und des Mose<\/h2>\n<p><a href=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/moses-leader-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1057\" src=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/moses-leader-1-300x201.png\" alt=\"moses-leader\" width=\"300\" height=\"201\" srcset=\"https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/moses-leader-1-300x201.png 300w, https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/moses-leader-1-1024x687.png 1024w, https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/moses-leader-1-768x516.png 768w, https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/moses-leader-1-335x225.png 335w, https:\/\/hashivah.org\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/moses-leader-1.png 1460w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><span class=\"dropcap dropcap2\">A<\/span>lle wissen, der Pharao weigerte sich 10 Mal, Israel ziehen zu lassen. Das Ganze gipfelte in der letzten Plage, der T\u00f6tung der Erstgeborenen in \u00c4gypten. Wenigen ist jedoch bewusst, dass auch <i>Mose<\/i> 10 Mal seiner Mission nicht nachkam oder sie hinausz\u00f6gerte. Er fand Gr\u00fcnde, um nicht zu gehen und schlug Alternativen vor. Er war schwer zu \u00fcberzeugen oder langsam zum Handeln. Ganz anders als Abraham, der ohne Protest nach Morija reiste.<\/p>\n<p>Um es kurz zu machen, nenne ich nur zwei, die 9. und die 10., die unsere Geschichte hier umrahmen.<\/p>\n<p>Die 9. Verz\u00f6gerung entstand gerade, als Mose sich auf die Reise machte. Statt nach \u00c4gypten zu eilen, nahm er seine ganze Familie mit, was ihn nat\u00fcrlich aufhielt. Wir wissen, das war ein Fehler, denn letztlich schickte er sie nach Midian zur\u00fcck (18, 1-6).<\/p>\n<p>Nach 9 Verz\u00f6gerungen und Ausreden von Mose sagte Gott zu ihm: <i>\u201eUnd du sollst zum Pharao sagen: So spricht der HERR: Mein erstgeborener Sohn ist Israel. Und ich sage dir: Sende <\/i>[hebr.]<i> meinen Sohn, damit er mir diene! Du aber hast dich geweigert, ihn ziehen zu lassen, siehe, so werde ich deinen erstgeborenen Sohn t\u00f6ten\u201c<\/i> (4, 22-23).<\/p>\n<p>Das ist ganz klar eine Botschaft an Pharao. Doch sie kann <i>auch<\/i> als f\u00fcr Mose geltend gelesen werden. Es ist, als w\u00fcrde Gott den Vers 22 an Pharao richten, sich dann Mose zuwenden und Vers 23 an ihn richten und sagen: \u201e<i>Und ich sage dir <\/i>[Mose]<i>: Sende meinen Sohn \u2026 du aber <\/i>[Mose]<i> hast dich geweigert \u2026 so werde ich deinen erstgeborenen Sohn t\u00f6ten.\u201c <\/i>Man kann wirklich den hebr\u00e4ischen Text so lesen, als eine Botschaft an beide.<\/p>\n<p>Wir kommen zur 10. und beinahe t\u00f6dlichen Verz\u00f6gerung. Auf seinem Weg nach \u00c4gypten hielt Mose zum \u00dcbernachten an einer Herberge. Dass die Familie ruhen musste, ist verst\u00e4ndlich. Doch es war falsch, sie \u00fcberhaupt erst mitzunehmen, und jetzt verz\u00f6gerte sich die Mission erneut.<\/p>\n<p>Nun versuchte Gott nicht Mose, sondern Gerschom, seinen <i>erstgeborenen Sohn,<\/i> zu t\u00f6ten. Jetzt wird uns klar, warum die Warnung an den Pharao, den Erstgeborenen zu t\u00f6ten, vor <i>Moses 10. Verz\u00f6gerung<\/i> steht, und nicht anderswo, zum Beispiel vor der 10. Plage einige Kapitel sp\u00e4ter. Das ist die perfekte Stelle. Die Inkongruenz ist beseitigt.<\/p>\n<h2>Ma\u00df f\u00fcr Ma\u00df, oder was man s\u00e4t, erntet man<\/h2>\n<p><span class=\"dropcap dropcap2\">M<\/span>oses wiederholte Ausfl\u00fcchte, sein Mangel an Selbstvertrauen und an Glauben an Gott als Garanten f\u00fcr Moses Mission sind die Vorboten der 10 Ablehnungen von Gottes Plan durch den Pharao. Mose war sogar derselben Bedrohung ausgesetzt wie der Pharao, dem Tod seines Erstgeborenen. Das ist das biblische Prinzip, Ma\u00df f\u00fcr Ma\u00df, hebr\u00e4isch <i>midah k\u2019neged midah<\/i> genannt, oder, was man s\u00e4t, das wird man ernten. Wenn Mose und der Pharao mit Israel, Gottes Erstgeborenem, nachl\u00e4ssig umgehen, wird Gott mit ihren Erstgeborenen ebenso handeln.<\/p>\n<h2>\u201eIn deinem Blute lebe\u201c (Hes. 16, 6)<\/h2>\n<p><span class=\"dropcap dropcap2\">D<\/span>ie Beschneidung des Kindes Gerschom rettete ihm das Leben. Zippora lie\u00df demonstrativ die Vorhaut des Kindes dessen F\u00fc\u00dfe ber\u00fchren (nicht Moses F\u00fc\u00dfe, wie dies oft in \u00dcbersetzungen eingef\u00fcgt wird). Gott war gn\u00e4dig, und die Bedrohung ging an dem Erstgeborenen vor\u00fcber. Man muss unweigerlich an die Parallele zu den Israeliten denken, die sp\u00e4ter ihre T\u00fcrpfosten und ihre Oberschwellen mit Blut ber\u00fchrten, um der Plage zu entkommen, die die Erstgeborenen in \u00c4gypten traf. Der Wortstamm des hebr\u00e4ischen Verbes f\u00fcr die Ber\u00fchrung (\u05e0,\u05d2,\u05e2) der blutigen Vorhaut mit Gerschoms F\u00fc\u00dfen (4, 25) ist bemerkenswerterweise <i>derselbe <\/i>wie beim sp\u00e4teren Akt der Ber\u00fchrung der T\u00fcrpfosten mit Blut (12, 22). Leider geht dies in manchen \u00dcbersetzungen verloren.<\/p>\n<p>Es gibt mehrere textuelle Gr\u00fcnde, die Interpretation \u201eGerschoms F\u00fc\u00dfe\u201c der g\u00e4ngigen Auslegung \u201eMoses F\u00fc\u00dfe\u201c vorzuziehen. Doch das sprengt den Rahmen dieses Aufsatzes. Ich m\u00f6chte nur noch anmerken, dass im Hebr\u00e4ischen auch hier nur Pronomen stehen, keine Namen: <i>\u201eSie ber\u00fchrte damit <\/i><b><i>seine<\/i><\/b><i> F\u00fc\u00dfe\u201c<\/i> (4, 25). Unmittelbar davor ist von Gerschom die Rede, nicht von Mose. Auch der Ausdruck, der oft mit <i>\u201eBlutbr\u00e4utigam\u201c,<\/i> oder \u00e4hnlich, \u00fcbersetzt wird (4, 25-26), bedeutet nicht zwangsl\u00e4ufig \u201eBr\u00e4utigam\u201c, sondern vielmehr <i>\u201ejemand, der in einem Bund ist\u201c, <\/i>was jetzt f\u00fcr Gerschom zutraf. Doch das w\u00e4re eine weitere Bibelarbeit.<\/p>\n<h2>Das R\u00e4tsel ist gel\u00f6st<\/h2>\n<p><span class=\"dropcap dropcap2\">D<\/span>iese Abhandlung hat die Identit\u00e4tsfrage gekl\u00e4rt und eine schwierige Bibelstelle verst\u00e4ndlich gemacht. Wir haben gesehen, wie \u00dcbersetzungen unser Verstehen in eine falsche Richtung lenken k\u00f6nnen. Ist es wichtig zu wissen, wen Gott zu t\u00f6ten versucht? Absolut. Die Tatsache, dass Gerschom, der erstgeborene Sohn, das beabsichtigte Opfer war, und nicht Mose, unterstreicht Israels Status als <i>erstgeborenen Sohn<\/i>. Ein kurzes Ereignis, das ein blo\u00dfer Anhang zu sein schien, steht jetzt als Banner <b>\u00fcber der g<\/b>anzen Geschichte des Exodus.<\/p>\n<p>Doch das ist mehr als eine Bibelarbeit. Welche Relevanz hat diese Geschichte<b> f\u00fcr uns<\/b> heute?<\/p>\n<h2>Eine Botschaft an Mose, eine Botschaft an uns<\/h2>\n<p><span class=\"dropcap dropcap2\"><strong>D<\/strong><\/span><b>ie Folgen von Moses Ausfl\u00fcchten waren die Vorboten des gr\u00f6\u00dferen Dramas, n\u00e4mlich Pharaos Widerstand gegen Gottes Plan. Und beide wiederum sind Vorboten eines noch gr\u00f6\u00dferen Dramas, das sich in <i>unseren Tagen<\/i> ereignet. Die Relevanz der betrachteten Episode liegt in ihrer rechtzeitigen Warnung. Wenn Gott den K\u00f6nig \u00c4gyptens daf\u00fcr bestrafte, dass er Israel vom Erreichen seiner Bestimmung abhielt, und wenn er <i>sogar <\/i>Mose bestraft h\u00e4tte, den angehenden politischen und religi\u00f6sen Leiter Israels, weil er die Sache hinausz\u00f6gerte, was verhei\u00dft das f\u00fcr die F\u00fchrungskr\u00e4fte in unseren Tagen?<\/b><\/p>\n<p><b>Die mit Vorurteil und T\u00fccke behafteten Leiter der V\u00f6lkergemeinschaft ignorieren das schreckliche Leid auf der Welt, um ihre heuchlerischen Verurteilungen einzig und allein gegen den j\u00fcdischen Staat zu richten. Ihr Ziel ist es, Israel zur Aufgabe seines von Gott gegebenen Landes zu zwingen. Damit behindern sie Gottes Plan. Mehr denn je sind viele L\u00e4nder entschlossen, Israel zu isolieren, zu boykottieren und zu erpressen. Damit begeben sie sich unmittelbar in einen Konflikt mit Gott. Der Prophet warnt: <i>\u201eDer HERR wird aus Zion br\u00fcllen\u201c<\/i> (Joel 4, 16; oder 3, 16 in einigen \u00dcbersetzungen), wenn Er sie verurteilen wird f\u00fcr <i>die Teilung des Landes Israel.<\/i>\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Auch Israels Leiter, religi\u00f6se wie politische, werden davor gewarnt, Gottes Pl\u00e4ne f\u00fcr Israel hinauszuz\u00f6gern. Entschuldigungen oder Ausreden werden nicht akzeptiert.\u00a0<\/b><\/p>\n<p><b>Israel muss noch ganz in seine von Gott vorgesehene Bestimmung hineinkommen. Doch die Sammlung, <i>\u201eder Anfang des Aufsprie\u00dfens unserer Erl\u00f6sung\u201c <\/i>hat begonnen. Die Zeit ist gekommen.<\/b><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Anfangskapiteln von 2. Mose wird ein absonderliches Ereignis geschildert. Es verdeutlicht ein fundamentales Prinzip von Gottes Beziehung zu Israel. Nur kurz erw\u00e4hnt, erscheint es zweitrangig f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfere Rahmenhandlung, den Auszug des Volkes Israel (Exodus). 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