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Jetzt sind wir alle Noah


David B. Goldberg, M.A.

Parallelen zwischen der Bibel und unserem Leben heute zu finden, ist zumeist Rabbinern und Geistlichen vorbehalten, doch manchmal sehen auch Laien das Offensichtliche:

Dies ist das Jahr, in dem alle von uns isoliert wurden wie Noah. Natürlich haben wir es ein bisschen leichter. Er trieb ein Jahr auf See. Wir müssen uns nicht mit Seekrankheit herumplagen. Wir können noch immer Lebensmittel einkaufen und Arzttermine wahrnehmen.

Dies ist auch das Jahr, in dem die sonderbaren Texte aus 3. Mose 13 und 14 zum Albtraum der Welt wurden. Kontamination, Quarantäne und Desinfektion des eigenen Heims heißt das Gebot der Stunde für all jene, die dem Coronavirus zum Opfer fielen.

Israel ist das Schlimmste dieser Krankheit erspart geblieben.

Ja, es gab eine bedrückende Verwirrung durch Fehlkommunikation, debattierende Wissenschaftler und Regierungsbeamte, einen landesweiten Lockdown mit einem anfänglichen Mangel an Kooperation und ein weit verbreitetes Murren von Eltern, die wegen zu weniger PCs zu Hause den digitalen Unterricht für ihre Kinder nicht stemmen konnten.

Und doch haben die strikten frühen Maßnahmen der Regierung die Todesfälle in unserem Land mit 9,19 Millionen Einwohnern auf 225 Tote beschränkt, bei 16.100 Fällen von Infizierten (Stand 01. Mai). Die Todeszahlen in Deutschland, Kanada, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, in Schweden und den USA sind um ein Vielfaches höher.

Einige Krankenhäuser berichteten von etlichen Tagen ohne Patienten, sodass manche Corona-Stationen wieder rückgebaut wurden. Die Krankenhaus-Behandlung ist dieselbe für Juden und Araber, für Junge und Alte. In Israel macht man keinen Unterschied aufgrund der Religion, Ethnie, des Alters oder Geschlechts. Kein Politiker hat die Älteren je gebeten, sich selbst zu „opfern“, um den Jüngeren und Stärkeren Platz zu machen.

Während die lokalen Auswirkungen des Virus wochenlang das Topthema in ganz Israel waren, hat das Land weiterhin fleißig Anderen geholfen, Forschung betrieben und Gutes getan.

• Israelische Erfinder haben kostenlose Anleitungen veröffentlicht zum Bau eines Beatmungsgeräts für rund US$ 500. Die Anleitungen wurden bereits in der ersten Stunde nach Veröffentlichung 19.000 Mal heruntergeladen. Hunderte von Teams setzen die Beatmungsgeräte eilig zusammen, um diese nach Afrika zu liefern, wo sie verzweifelt gebraucht werden (dort gibt es nur 2.000 Beatmungsgeräte für insgesamt 41 Länder). Konservativen Schätzungen zufolge werden sich mindestens 122 Millionen Menschen infizieren.

• Israel hat Dutzende arabischer Ärzte und weiteres medizinisches Personal aus Judäa und Samaria (der Westbank) und aus Gaza zur Weiterbildung nach Israel eingeladen, um sie für den Umgang mit COVID-19-Patienten zu schulen, und hat Schutzausrüstung für ihre unterversorgten Kliniken bereitgestellt.

(Das hat die Palästinensische Autonomiebehörde [PA] nicht davon abgehalten, Israel zu beschuldigen, es habe die Pandemie unter Palästinensern verbreitet und würde sich jetzt weigern, deren Bekämpfung zu erläutern. In der PA und im ganzen Nahen Osten wimmelt es von Verschwörungstheorien über ein jüdisches Coronavirus-Komplott.)

• Derweil geht in Dutzenden von Laboren in ganz Israel die fieberhafte Forschung nach einem Heilmittel gegen den Coronavirus und nach Entwicklung besserer Ausstattung und Therapien weiter (teils mit erfolgreichen Resultaten). Ein Medikament von RedHill Biopharma wird bei 160 COVID-19-Patienten mit Atemwegsproblemen und lebensbedrohlichen Symptomen in drei Krankenhäusern in Norditalien eingesetzt.

• Bauern, die wegen Restaurantschließungen ihre Ernte nicht an Nahrungsmittelproduzenten verkaufen konnten, haben tausende Tonnen ihrer Ernte an Lebensmittelverteiler für die vielen Bedürftigen geschenkt.

Leider muss Israel sich Woche für Woche noch immer gegen Terrorangriffe aus Gaza verteidigen, ebenso gegen feindselige Bedrohungen durch neue iranische Stellungen entlang der syrischen Grenze zu Israel. Zudem stellt der Teststart des Iran einer neuen, 3-stufigen Rakete im April mit erweiterter Reichweite eine ernste Bedrohung Israels dar, für die keine geeignete Abwehr existiert. Auch die Messerattacken in Israel hören nicht auf.

Doch manchmal gibt es gute Nachrichten: Eine von der Universität in Tel Aviv im April durchgeführte Studie zeigte, dass unter den Juden lebende Araber eine nationale Perspektive haben. Von den nichtjüdischen Israelis sehen sich 23 % primär als „israelisch“ an, 51 % definieren sich als „israelisch-arabisch“. Nur 7 % bezeichnen sich selbst als „Palästinenser“. Vor einem Jahr waren es noch 18 %.

Für die Mehrheit der Israelis, die an ihr Zuhause gebunden sind, ist das größte Bedürfnis jedoch, wieder am normalen Alltagsleben teilnehmen zu können. Man kann sich leicht vorstellen, dass dergleichen Gefühle auch Noah und seine Familie vor Jahrtausenden hatten.

– Red.