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Ein verworrener Weg

– Trump im Kontext der Bibel


Die aktuelle Lage im Nahen Osten ist verworren. Dies ist eine erhebliche Untertreibung. Zwischen Krieg, Siegesbehauptungen, plötzlichen Waffenstillständen, Dementis von Waffenstillständen, Drohungen der Wiederaufnahme von Kriegshandlungen, tatsächlicher Wiederaufnahme und erneuten plötzlichen Waffenstillständen befindet sich die Region im Aufruhr.

Im Zentrum eines Großteils der Verwirrung steht eine Person, US-Präsident Donald J. Trump, der eine Außenpolitik verfolgt, die von seinen Erklärungen zu jedem Zeitpunkt geprägt ist. Und er erwartet, dass alle gehorsam folgen. Es ist schwer einzuschätzen, wohin er die Lage steuern wird, da seine Erklärungen oft widersprüchlich und unberechenbar erscheinen.

Als der aktuelle Konflikt mit dem Iran am 28. Februar begann, waren seine oft wiederholten Ziele die Zerstörung der iranischen nuklearen und ballistischen Raketenkapazitäten.

Zur Bestürzung der israelischen Regierung und des Militärs verkündete Trump am 7. April unerklärlicherweise ein plötzliches Ende der Kampfhandlungen, einen Waffenstillstand. Keines der beiden militärischen Ziele wurde vollständig erreicht, obwohl sie laut israelischen Experten in Sichtweite waren.

Er hatte auch zweideutige Aussagen über einen Regimewechsel als Ziel gemacht, aber heute haben die Islamisten weiterhin die Kontrolle und unterdrücken ihr Volk. Der US-Präsident hatte die Zivilbevölkerung zum Aufstand aufgerufen, aber sie hatte keine Mittel dazu. Es wurde auch kein wirklicher Versuch unternommen, diese Mittel bereitzustellen.

Das Ziel der US-Militäraktion wandelte sich dann zu einem wirtschaftlichen: die Straße von Hormus offen zu halten und den Ölfluss in die Welt sicherzustellen. Mit den von Washington angekündigten bilateralen Verhandlungen, begann das ursprüngliche Nuklearziel unklar zu erscheinen, mit beunruhigenden Ähnlichkeiten zum Atomabkommen unter Präsident Barack Obama.

Trump deutete sogar an, dass der Iran, wie andere Nationen in der Region, das Recht habe, eine unbestimmte Anzahl ballistischer Raketen zur Selbstverteidigung zu behalten. Seltsam, da der Iran, der Hauptsponsor des Terrorismus weltweit, die einzige Nation ist, die andere mit Zerstörung bedroht und solche Raketen aktiv und offensiv gegen Israel, sowie gegen die Nachbarn Irans und US-Militärbasen in der Region einsetzt.

Nachdem Trump das iranische Regime zuvor als bösartig bezeichnet hatte, nannte er sie nun „nette Menschen, mit denen er zu tun hat“ und „nicht radikalisiert“. Diese „netten Menschen“ waren dieselben, die im Januar dieses Jahres während Protesten gegen die Regierung innerhalb von 3 Tagen schätzungsweise 50.000 iranische Zivilisten getötet hatten.

Zwischenzeitlich gab es erneute US-Angriffe, gefolgt von einem weiteren Waffenstillstand und erneuten Drohungen.

Keine Männerfreundschaft mehr?

Was in ganz Israel Schockwellen auslöste und Freunde des jüdischen Staates weltweit schockierte, war ein plötzlicher Tonwechsel Trumps in Bezug auf Israel und insbesondere auf seinen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu. Zuvor hatte Trump noch von seiner herzlichen persönlichen Beziehung zu „Bibi“ und dem engen Bündnis zwischen den USA und Israel gesprochen.

Nun beschimpfte er den Premierminister mit Schimpfwörtern, nannte ihn verrückt und kritisierte offen die israelische Politik. Israels Feinde waren über diesen offensichtlichen Bruch in den Beziehungen zwischen den USA und Israel hocherfreut. Trump deutete sogar an, dass der aktuelle syrische Präsident Ahmed al-Sharaa (ein ehemaliger Al-Qaida-Dschihadistenführer) die Hisballah im Libanon besser besiegen könnte als Israel. Dies sind dieselben Dschihadisten, die 2025 Tausende von Drusen und Kurden massakrierten.

Wendungen des Präsidenten

Es ist schwierig, das Drehen und Wenden des amerikanischen Präsidenten einzuschätzen. Manche führen seine unberechenbaren Äußerungen auf seinen geschäftsmäßigen Verhandlungsstil zurück: Gegner und alle anderen im Unklaren und in Ungewissheit zu lassen. Oft wird gesagt, Trump blühe im Chaos auf.

Andererseits spielen auch Geschäftsinteressen und die „America First“-Themen eine Rolle im Weißen Haus. US-Vizepräsident JD Vance ist dafür bekannt, deutlich weniger Sympathie für Israel zu haben und den Krieg mit dem Iran gänzlich abzulehnen. Auch haben einige von Trumps wichtigsten außenpolitischen Beratern und Unterhändlern mit dem Iran beträchtliche finanzielle Verbindungen zu Katar und Saudi-Arabien. Ein Krieg, der die Ölversorgung beeinträchtigt, ist schlecht fürs Geschäft.

Eine weitere plausible Erklärung: Die US-Zwischenwahlen im November, bei denen Trumps Partei die Mehrheit im Kongress verlieren könnte. Der Krieg gegen den Iran wird von den Demokraten und zunehmend auch vom rechten Flügel der Republikaner, zu dem nationalistische Konservative und „America First“-Anhänger gehören, scharf kritisiert. Ein dauerhafter Waffenstillstand oder eine rechtsverbindliche Vereinbarung könnten Trumps schwindende Beliebtheit umkehren und den Wahlausgang beeinflussen. Niemand will einen endlosen Krieg mit immer kleiner werdenden Waffenarsenalen.

Wie kein anderer Staatschef der Welt

Trotz Trumps scheinbar widersprüchlicher Politik und seines Tonfalls gegenüber Israel darf nicht vergessen werden: Kein US-Präsident oder anderer Staatschef der Welt hat in den letzten 50 Jahren so viel für Israel getan wie Donald Trump.

Während seiner ersten Amtszeit erkannte er Jerusalem als Israels Hauptstadt an und verlegte die US-Botschaft von Tel Aviv dorthin. Seit Präsident Jimmy Carter haben die meisten US-Präsidenten Jerusalem als Israels Hauptstadt bezeichnet oder versprochen, die Botschaft dorthin zu verlegen, aber keiner hat entsprechend gehandelt.

Darüber hinaus anerkannte Trump Israels Souveränität über die Golanhöhen. Er kündigte das zutiefst fehlerhafte Atomabkommen, das Präsident Barack Obama mit dem Iran unterzeichnet hatte. Trump leitete Militäraktionen ein, um Irans bedrohliches nukleares Potential gegen Israel und andere zu zerstören.

Seit dem Massaker vom 7. Oktober hielt er die Militärlieferungen für Israels Verteidigung aufrecht, während andere, darunter Kanada und viele europäische Nationen, solche Lieferungen boykottierten oder sogar versuchten, amerikanische Lieferungen an Israel zu verhindern. Er nutzte auch konsequent Amerikas Veto und andere Mittel bei den Vereinten Nationen, um Israel vor Verurteilungsvoten und anderen antisemitischen Angriffen zu schützen.

All das sind äußerst bedeutende Maßnahmen, die Trump zur Unterstützung Israels ergriffen hat, wofür es enorm dankbar ist. Kein anderer Staatschef ist in dieser Hinsicht vergleichbar.

Der Wiederbau Jerusalems

Ein neuer Kyros

Aus diesem Grund wird Präsident Trump von seinen vielen jüdischen und christlichen Bewunderern oft mit König Kyros, dem persischen König der Antike, verglichen.

Erinnern wir uns daran, dass Kyros, der Eroberer Babyloniens, von Gott erwählt wurde, um die Rückkehr der Juden nach Israel und den Wiederaufbau des Tempels zu ermöglichen:
„So spricht der HERR zu seinem Gesalbten, zu Kores [Kyros], den ich bei seiner rechten Hand ergriff, dass ich Völker vor ihm unterwerfe und Königen das Schwert abgürte, damit vor ihm Türen geöffnet werden und Tore nicht verschlossen bleiben: Ich will vor dir hergehen und das Bergland eben machen, ich will die ehernen Türen zerschlagen und die eisernen Riegel zerbrechen und will dir heimliche Schätze geben und verborgene Kleinode, damit du erkennst, dass ich der HERR bin, der dich beim Namen ruft, der Gott Israels. Um Jakobs, meines Knechts, und um Israels, meines Auserwählten, willen rief ich dich bei deinem Namen und gab dir Ehrennamen, obgleich du mich nicht kanntest“ (Jes. 45, 1-4).

So wie Kyros vor 2.500 Jahren das Instrument war, das half, Israel wieder herzustellen, so sehen viele Trump heute in einer ähnlichen Rolle, weil er Jerusalem und die Golanhöhen als israelisches Territorium anerkannt hat – insbesondere, da unsere Generation Zeuge der größten Rückkehr des jüdischen Volkes in sein Land in den letzten 2 Jahrtausenden ist.

Ein weiterer Vergleich lässt sich bei Kyros sehen, der andere Nationen unterwirft, indem er die Kupfertore und Eisenriegel zerschlägt. Trumps Vorgehen im Umgang mit anderen Nationen, in Bezug auf internationalen Handel und Zölle, finanzielle Verpflichtungen der NATO-Mitglieder, Venezuela oder dem Iran, kann sicherlich als aggressiv bezeichnet werden. Seine Gegner würden ihn weniger wohlwollend sogar als den sprichwörtlichen „Elefanten im Porzellanladen“ bezeichnen.

Die Bibel ist kein Geschichtsbuch

Aus jüdischer Sicht ist der Vergleich mit Kyros bedeutsam. Unter orthodoxen Rabbinern ist es allgemein anerkannt, dass alle Prophezeiungen in der Bibel eine sinnvolle Relevanz für heute haben, einschließlich der Erzählungen und Prophezeiungen, die sich bereits vor langer Zeit erfüllt haben.

Die Prophezeiungen für Kyros erfüllten sich natürlich zu seiner Zeit, aber die Tatsache, dass sie in der Bibel aufgezeichnet sind, legt nahe, dass sie auch heute noch relevant sind. Die Heilige Schrift enthält zwar viele historische Berichte, aber der Zweck ist nicht in erster Linie die Aufzeichnung historischer Fakten.

Wie wir wissen, gab es viele Propheten, mindestens hundert und höchstwahrscheinlich Hunderte, die in der Bibel erwähnt werden (1 Sam. 10, 5. 10; 1. Kön. 18, 4. 13; 2. Kön. 2, 3. 5. 7; 15; 6, 1). Es scheint Gemeinschaften von Propheten gegeben zu haben, die oft als „Söhne der Propheten“ bezeichnet wurden. Und natürlich gab es Abraham (1. Mo. 20, 7), die 70 Ältesten sowie Eldad und Medad (4. Mo. 11, 24-30). Aber abgesehen von denen, die uns gut vertraut sind (Jesaja, Jeremia, Hesekiel etc.), haben wir die prophetischen Äußerungen dieser nicht in der Bibel.

Ein weiteres deutliches Beispiel aus 2. Könige 14, 25 bezieht sich auf eine Prophezeiung von Jona, dem Sohn Amittais (ja, die Geschichte mit dem großen Fisch). Obwohl die Erzählung auf diese Prophezeiung und eine allgemeine Beschreibung ihrer Themen Bezug nimmt, ist der eigentliche prophetische Text nirgends in der Bibel zu finden. Dennoch wird die Prophezeiung als das „Wort des Herrn, des Gottes Israels“ bezeichnet.

Wenn uralte Prophezeiungen, die sich damals erfüllten und trotz der Bezeichnung „das Wort des Herrn, des Gottes Israels“ nicht in die Heilige Schrift aufgenommen wurden, dann liegt es nahe, dass bereits erfüllte Prophezeiungen, die in der Bibel stehen (wie z. B. über Kyros) aus einem bestimmten Grund dort sind. Bereits in der Antike erklärten die Rabbiner (siehe Megillah 14a), dass die Prophezeiungen, die nur für ihre Zeit vor langer Zeit relevant waren, nicht in den Schriften aufgenommen wurden. Jene, die auch für zukünftige Generationen relevant waren und sozusagen eine „doppelte Erfüllung“ haben, eine kurzfristige und eine längerfristige eschatologische, wurden aufgenommen.

Weiter in der Geschichte: von Kyros zu Hiram?

Gibt es angesichts der uralten Prophezeiungen der Bibel eine überzeugende biblische Referenz, die Licht auf die eingangs beschriebene Situation und die zentrale Rolle des US-Präsidenten werfen kann? Ich hörte einen Rabbiner, der die aktuelle Situation mit den Prophezeiungen über den König (Prinzen) von Tyros im Buch Hesekiel vergleicht.

Hiram, der phönizische König von Tyros, war ein Verbündeter Israels. Als König David seinen Palast in Jerusalem baute, schickte Hiram Zedernholz, Zimmerer und Steinmetze, um beim Bau zu helfen (2. Sam. 5, 11). Als König Salomo den Heiligen Tempel baute, sandte Hiram ebenfalls Material und Arbeiter, um zu helfen (1. Kön. 5, 1-18). Sie schlossen sogar ein Bündnis (Vers 12) und betrieben gemeinsam Seehandel (9, 26-28).

Jahrhunderte später jedoch wurden Tyros und sein neuer König durch den Propheten Hesekiel streng verurteilt. Nach der Eroberung Israels durch den babylonischen König Nebukadnezar sah Tyros eine Gelegenheit, Israel zu plündern (Hes. 26, 2). Es hatte sich von einem Verbündeten Israels zu einem Feind gewandelt.

Darüber hinaus sah sich dieser stolze König (Prinz) von Tyros als Gott, als säße er auf SEINEM Thron, und sein Herz als das Herz des Allmächtigen (28, 2 und 6), wodurch er das göttliche Gericht auf sich zog (Verse 7-10). Seine Selbstvergöttlichung ging seinem Niedergang voraus.

Trump hat mehrmals seine persönlichen Erfolge für Israel betont, welche Israel anerkannt hat. Aber eine Erklärung schien selbst für Israelis zu prahlerisch. „Ohne mich gäbe es kein Israel …“ Und: „Wenn es die USA nicht gäbe, ohne mich … würde Israel jetzt nicht existieren.“ Die Vorstellung, Israel gäbe es ohne Trumps Handeln nicht, widerspricht zahlreichen Bibelstellen, allen voran: „Siehe, der Hüter Israels schläft noch schlummert nicht. Der HERR behütet dich … “ (Ps. 121, 4-5).

Bildet sich Präsident Trump ein, der Hüter Israels zu sein? Wir können sicher sein, dass Israel existiert und weiterhin existieren wird, weil Gott einen Bund mit Israel geschlossen hat, nicht weil es der Laune eines Menschen unterworfen ist.

Nur wenige Stunden nach Trumps leichtsinniger Bemerkung entgegnete der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, ein ehemaliger Pastor: „Ohne Israel, ohne dem jüdischen Fundament, gäbe es kein Amerika. Wir verdanken unsere Existenz dem, was in diesem Land geschehen ist.“

Ich glaube nicht, dass Trump andeuten wollte, er sei an Gottes Stelle. Aber Gottes Herrlichkeit ist keine Kleinigkeit, und ER teilt sie mit niemandem (Jes. 42, 8; 48, 11). Es ist gerade Israels Überleben und Wiederherstellung, die Gott benutzt, um SEINEN großen Namen zu heiligen (Hes. 36, 22-24). Ich denke auch nicht, dass der US-Präsident mit dem späteren König von Tyros vergleichbar ist. Dennoch bleibt die düstere Botschaft des Propheten Hesekiel als Warnung für diejenigen, die sich gegen Israel wenden und damit Gott trotzen wollen.

Vertraue auf Gott, nicht auf Menschen

Da weiterhin Drohungen über Israel schweben, müssen wir unseren Glauben an Gott und nicht an sterbliche Menschen bekräftigen:
„Es ist gut, auf den HERRN vertrauen und nicht sich verlassen auf Menschen. Es ist gut, auf den HERRN vertrauen und nicht sich verlassen auf Fürsten“ (Ps. 118, 8-9).